Förderung
von WS 2002 bis zum SS 2003 wurde opensTeam vom DFN gefördert.
Projekt - Überblick
Zusammenfassend kann das open sTeam Projekt als sehr erfolgreich bewertet werden. Alle im Projektantrag formulierten Meilensteine und Ziele konnten erreicht werden, in einigen Bereichen konnten diese Ziele sogar übertroffen werden.
Im Hinblick auf die Umsetzung der gemäß Projektantrag formulierten Meilensteine konnte nicht zuletzt durch ein hohes persönliches Engagement der beteiligten Entwickler eine erste Version des sTeam-Systems schon recht früh prototypisch umgesetzt und auf der CeBIT 2002 im Frühjahr des ersten Jahres der Projektlaufzeit vorgestellt werden. Im intensiven Austausch mit verschiedenen Entwicklerkreisen, speziell der Caudium/Roxen Open Source Community konnten in den folgenden Monaten wichtige Weichen zur architektonischen Umsetzung des sTeam-Systems gestellt werden.
Ergebnis ist eine moderne und gut erweiterbare Architektur, die auch unter den neusten Anforderungen an Mobilität und Netze (W-LAN) ihre Flexibilität unter Beweis stellen konnte (beispielsweise konnten auf der diesjährigen CeBIT erste mobile sTeam-Clients vorgestellt werden).
Im Projektverlauf ergaben sich insbesondere durch die zeitlich recht früh angesiedelten Piloteinsätze des Systems zusätzliche Anforderungen, die im Rahmen der Projektlaufzeit gelöst werden konnten. Speziell zu nennen wäre hier die vorrangige Erstellung einer WWW-gestützten Benutzungsschnittstelle (Webschnittstelle) und verschiedener spezieller Java-Clients, wie der Application-Launcher. In dieser Form konnten wesentliche zusätzliche Eigenschaften des Systems in der Praxis entwickelt und erprobt werden.
Auch auf Seiten der Serverkonzeption konnten verschiedene Standards und Architekturkonzepte berücksichtigt werden, die so in diesem Umfang im Projektantrag noch nicht vorgesehen waren. So wurden beispielsweise eine WebDAV-Schnittstelle erstellt und IMAP- bzw. SMTP- Schnittstellen geschaffen. Beides hat wesentlich zu einer Interoperabilität des Systems mit der gewohnten Arbeitsumgebung der Nutzer und damit zu einer guten Akzeptanz des sTeam-Systems beigetragen.
Auch in Bezug auf Stabilität und Robustheit des Servers erwiesen sich die verschiedenen Einsätze, die in weiten Bereichen schon über ein Pilotstadium hinausgehen, als außerordentlich wertvoll. In diesem Zusammenhang sind verschiedene Pilotnutzungen im Umfeld der Arbeitsgruppe Informatik und Gesellschaft zu nennen. Die erste Pilotnutzung des Systems in der Veranstaltung EIM Einführung in die Informatik für Medienwissenschaftler ist beispielsweise überaus erfolgreich verlaufen und konnte in ihrem begrenzten Umfang schon wichtige Ergebnisse in Bezug auf die Gestaltung der WWW-basierten Nutzungsschnittstelle liefern. Die späteren in ihrem Umfang weitaus größeren Einsätze in den Veranstaltungen Praxis der Systemgestaltung mit ca. 600 aktiven Nutzern und aktuellen Einsätzen in den Grundstudiumsveranstaltungen zur Informatik konnten die Stabilität des Systems weiter festigen und sicherstellen.
Spezielle Aspekte kooperativer Zusammenarbeit wie die grafische Strukturierung virtueller Wissensräume konnten in aktuellen Einsätze (gegen Ende der Projektlaufzeit) erprobt werden. Für den von uns verfolgten Ansatz ist hierbei zentrales konzeptuelles und organisatorisches Element der Jour-Fixe. Begleitend zur Vorlesung stellen die Studierenden ihre semantischen Gestaltungs- und Strukturierungsfortschritte eines virtuellen Wissensraums zu festen Terminen, dem so genannten Jour-Fixe vor. Hierzu nutzen sie das kooperative sTeam-Shared Whiteboard. Damit ist die Aufbereitung eines vorlesungsbezogenen Themas in kleineren Gruppen von Studierenden und seine Präsentation in einer Reihe von Jour-Fixe-Terminen wesentlicher Teil der Vorlesungsveranstaltung.
Neben den Einsätzen des Systems im Umfeld der eigenen Arbeitsgruppe konnte sTeam in weiten Bereichen der Universität Paderborn Verbreitung finden. Verschiedene Bereiche der Geisteswissenschaften nutzen sTeam, um Seminarprozesse (speziell diskursive Elemente) zu verbessern. Im Bereich der Hochschuldidaktik wird sTeam zur Organisation und Verwaltung von Materialien für Seminarteilnehmer eingesetzt und im Maschinenbau dient sTeam zur kooperativen Inhaltegestaltung verschiedener Lehrmaterialien und der Organisation von Praktika.
Außerhalb der Universität Paderborn wird sTeam an verschiedenen Standorten eingesetzt. Hier muss leider bemerkt werden, dass die Entwickler keinen vollständigen Überblick über sämtliche sTeam-Aktivitäten besitzen. Mit Erfolg eingesetzt wird sTeam insbesondere in der Wirtschaftsinformatik an der Universität Essen, die das System speziell zum Verwalten von Kursen nutzen und entsprechend zur Zeit eigene Entwicklungsbemühungen vorantreiben.
Schon seit einiger Zeit aktiv genutzt wird sTeam zudem von der internationalen Studentenorganisation IAESTE in Österreich. Hier wird sTeam zur internationalen Koordination der Aktivitäten ihrer Mitglieder eingesetzt.
Insgesamt kann in Anbetracht der recht kurzen Entwicklungszeit von einem hohen Verbreitungs- und Bekanntheitsgrad des sTeam-Systems gesprochen werden.
Wichtige Meilensteine zum Erreichen dieses Bekanntheitsgrades war sicherlich der intensive Kontakt des Paderboner Projektteams zu verschiedenen Open Source-Entwicklern. Diese Kontakte entstanden zum großen Teil aus dem Umfeld des Caudium-Webserver-Projekts. Ein reger Austausch und verschiedene Workshops haben zu einer engen sTeam/Caudium Entwicklergemeinde geführt. Die enge Zusammenarbeit dieser Open Source Community machen neben wechselseitiger Hilfe bei der Softwareentwicklung auch gemeinsame Messeauftritte, z.B. auf dem LinuxTag in Karlsruhe deutlich. Im September dieses Jahres wird zudem die diesjährige internationale Pike-Konferenz von der sTeam-Gruppe in Paderborn ausgerichtet. Anmeldungen von verschiedenen Open Source-Entwicklern aus Schweden, Frankreich, Polen und einigen weiteren Ländern liegen bereits vor. Ein weiterer wichtiger Beitrag des Aufbaus einer Open Source-Community um das sTeam-Projekt ist zudem der aktuell andauernde Gastaufenthalt von Herrn Martin Bähr in Paderborn. Als bekannter PIKE/Caudium - Open Source-Entwickler konnte er begleitend der Projektlaufzeit durch seine längeren Aufenthalte in Paderborn wichtige Beiträge zur Stabilität und den Installationsprozeduren des Servers liefern.
Resümierend kann festgestellt werden, dass der Verlauf des sTeam-Projekts als außerordentlich erfolgreich angesehen werden kann, alle Projektziele konnten gemäß Projektantrag erreicht werden. Hierzu hat insbesondere der DFN-Verein durch kompetente Mitwirkung und gute Öffentlichkeitsarbeit maßgeblich beigetragen. Auch international wurde das Projekt auf Tagungen und Kongressen positiv aufgenommen. Hierzu ist insbesondere hervorzuheben, dass es gelungen ist, u.a. opensTeam sowohl auf der WWW10, Hong Kong als auch der WWW12, Budapest einer breiten Fachwelt und renommierten Experten aus dem Bereich der Erforschung zukünftiger Perspektiven des WWW zu präsentieren.
Wir möchten uns an dieser Stelle noch einmal recht herzlich für die angenehme und produktive Zusammenarbeit mit dem DFN-Verein bedanken.